
von Salman Haris

Eine Schweizerin und ein Sri-Lanker, die gemeinsam in Sri Lanka leben. Für manche klingt das nach einem Leben voller Sonne, Palmen, Strandbesuchen und gutem Essen. Und ja, all das gehört tatsächlich zu unserem Alltag. Aber eine Beziehung zwischen zwei Kulturen bringt noch viel mehr mit sich als schöne Ferienmomente.
Unterschiedliche Gewohnheiten, familiäre Erwartungen, Sprachbarrieren und manchmal auch völlig verschiedene Vorstellungen davon, wie bestimmte Dinge funktionieren sollten. Was für den einen selbstverständlich ist, kann für den anderen zunächst ungewohnt oder sogar unverständlich sein. Gleichzeitig gibt es aber auch unglaublich viel, dass man voneinander lernen kann.
Ich bin Salman, in Sri Lanka geboren und aufgewachsen. Meine Frau Sarah kommt aus der Schweiz. Heute leben wir gemeinsam in Negombo, sind verheiratet und führen unser eigenes Unternehmen Soul & Spicy. Wir lieben unser Leben hier, aber natürlich bedeutet das nicht, dass bei uns immer alles reibungslos funktioniert. In diesem Beitrag möchte ich euch erzählen, wie ich unsere multikulturelle Beziehung erlebe, welche Unterschiede uns im Alltag begegnen und wie wir versuchen, daraus etwas Gemeinsames zu machen.
Zwei Kulturen und ein gemeinsames Leben
Als Sarah und ich uns kennenlernten, führten wir beide bereits unser eigenes Leben. Wir waren selbständig im Marketingbereich tätig, hatten unsere eigenen Gewohnheiten und Vorstellungen von der Zukunft. Dass wir einmal gemeinsam in Sri Lanka leben und ein Unternehmen führen würden, war damals überhaupt nicht geplant. Wie wir uns kennengelernt haben und wie unsere Geschichte begann, haben wir bereits in einem anderen Blogbeitrag erzählt. Hier möchte ich mich deshalb auf das konzentrieren, was danach kam: unseren gemeinsamen Alltag als Paar.
Denn sich ineinander zu verlieben ist eine Sache. Herauszufinden, wie man mit unterschiedlichen Gewohnheiten, Erwartungen und Lebensweisen zusammenlebt, ist noch einmal etwas ganz anderes. Bevor wir uns für unser gemeinsames Leben in Sri Lanka entschieden, haben wir viel miteinander gesprochen. Über unsere Vergangenheit, unsere Ängste, unsere Arbeit und darüber, was wir uns von einer Beziehung wünschen. Natürlich kann man nicht alles im Voraus planen, aber diese Gespräche haben uns geholfen, einander besser zu verstehen und gemeinsam Entscheidungen zu treffen.
Heute merken wir immer wieder, dass unsere unterschiedlichen Hintergründe nicht unbedingt ein Hindernis sind. Oft ergänzen wir uns sogar ziemlich gut. Trotzdem gibt es Situationen, in denen wir erst verstehen müssen, weshalb der andere etwas ganz anders sieht. Und manchmal müssen wir darüber auch einfach lachen.
Unterschiedliche Gewohnheiten und die Sache mit der Spontanität
Wenn man mit jemandem aus einem anderen Land zusammenlebt, fallen einem plötzlich Dinge auf, über die man früher überhaupt nie nachgedacht hat. Wie organisiert man seinen Tag? Wann besucht man Freunde oder Familie? Wie wichtig sind feste Termine und was passiert, wenn spontan jemand vorbeikommt? Viele dieser Dinge haben weniger mit richtig oder falsch zu tun, sondern vielmehr damit, was man aus seinem bisherigen Leben kennt.
Interessanterweise ist Sarah als Schweizerin selbst ein sehr spontaner Mensch. Sie liebt es, wenn man nicht alles Wochen im Voraus planen muss. Was sie aus der Schweiz kennt, ist allerdings, dass man sich mit Freunden oft schon einige Wochen vorher verabredet, weil jeder seinen eigenen Alltag und seine Termine hat. Hier in Sri Lanka läuft das häufig anders. Wir entscheiden manchmal am selben Tag, dass wir jemanden besuchen, treffen spontan Freunde oder verbringen einfach Zeit mit der Familie. Genau das liebt Sarah besonders an unserem Leben hier.
Natürlich ist auch bei uns nicht jeder Tag spontan. Wir führen ein Unternehmen, haben Kundentermine und müssen unsere Arbeit organisieren. Aber wir mögen es, dass nicht jede freie Stunde bereits Wochen im Voraus verplant sein muss. Manchmal fahren wir einfach bei meinen Eltern vorbei, treffen einen Freund oder entscheiden kurzfristig, noch irgendwo etwas essen zu gehen. Für mich war vieles davon schon immer normal. Durch Sarah ist mir aber erst richtig bewusst geworden, wie schön diese kleinen Freiheiten eigentlich sind.
Familie und Zusammenhalt: Einer der grössten Unterschiede
Ein Thema, bei dem Sarah einen besonders grossen Unterschied zwischen der Schweiz und Sri Lanka festgestellt hat, ist der Familienzusammenhalt. In Sri Lanka spielt die Familie für sehr viele Menschen eine zentrale Rolle im Leben. Man verbringt viel Zeit miteinander, unterstützt sich gegenseitig und ist oft auch im Alltag eng miteinander verbunden. Mehrere Generationen leben teilweise im selben Haus oder zumindest in unmittelbarer Nähe. Auch wenn die Eltern älter werden, ist es in vielen Familien selbstverständlich, dass sich die Kinder und Angehörigen um sie kümmern und gemeinsam nach Lösungen suchen.
In der Schweiz hat Sarah das Familienleben teilweise anders erlebt. Natürlich sind auch dort Familien eng miteinander verbunden und unterstützen sich gegenseitig. Trotzdem ist es verbreiteter, dass jeder seinen eigenen Haushalt führt, seinen Alltag unabhängig organisiert und man sich für Besuche bewusst Zeit nimmt. Auch beim Älterwerden der Eltern gibt es häufig andere Vorstellungen davon, wie das Zusammenleben und die Betreuung organisiert werden. Für Sarah ist dieser enge Familienzusammenhalt in Sri Lanka etwas, das sie besonders schätzt. Sie liebt es, dass man sich spontan besucht, zusammen isst und oft einfach füreinander da ist.
Auch unsere beiden Familien mussten sich zunächst an unsere Beziehung gewöhnen. Sarahs Eltern haben mich von Anfang an herzlich aufgenommen, und über die Zeit ist unsere Verbindung noch enger geworden. Auch meine Eltern haben Sarah willkommen geheissen, wobei nicht alle Verwandten von Anfang an mit unserer Entscheidung einverstanden waren. Das war für uns nicht immer einfach, aber wir haben versucht, einander zu unterstützen und unseren gemeinsamen Weg zu gehen. Heute geniessen wir die Zeit mit unseren Familien sehr. Meine Mutter weiss beispielsweise ganz genau, wie gerne Sarah Pittu isst, und wenn wir zu Besuch kommen, wartet deshalb nicht selten etwas Leckeres auf sie. Es sind solche kleinen Gesten, die Sarah zeigen, dass sie dazugehört, auch wenn sie nicht mit allen dieselbe Sprache spricht.
Sprache: Wenn man dazugehören möchte, aber nicht alles versteht
Eine der grössten Herausforderungen für Sarah ist die Sprache. In Sri Lanka begegnen uns Sinhala und Tamil, und nicht jeder spricht Englisch. Gerade bei Familienbesuchen oder Gesprächen mit Freunden kann das schwierig sein. Man sitzt gemeinsam am Tisch, alle unterhalten sich, erzählen Geschichten und lachen, während Sarah vielleicht nur einzelne Wörter versteht. Obwohl niemand sie absichtlich ausschliesst, kann es sich für sie manchmal so anfühlen, als wäre sie nicht richtig Teil des Gesprächs. Ich habe dadurch gelernt, wie anstrengend es sein kann, wenn man ständig versucht, etwas zu verstehen, das für alle anderen selbstverständlich ist.
Sarah lernt deshalb regelmässig Sinhala und nimmt dafür auch Unterricht. Sie versucht, das Gelernte im Alltag anzuwenden, selbst wenn sie manchmal noch etwas schüchtern ist. Besonders die Schrift ist eine Herausforderung, denn sie muss nicht nur eine neue Sprache, sondern auch ein völlig anderes Alphabet lernen. Als sie zum ersten Mal die Sinhala-Buchstaben sah, meinte sie übrigens, dass einige davon wie kleine Elefanten aussehen würden. Mittlerweile weiss sie, dass diese hübschen Zeichen ganz schön viel Arbeit bedeuten. Und neben Sinhala möchte sie natürlich auch Tamil besser verstehen, denn auch diese Sprache gehört zu unserem Familienleben.
Aber nicht nur Sarah lernt eine neue Sprache. Ich versuche ebenfalls, Deutsch zu lernen, und schnappe durch Sarah und meine Verwandten in der Schweiz immer wieder neue Wörter auf. Manchmal erinnere ich mich plötzlich an einen Ausdruck, den ich irgendwo gehört habe, auch wenn ich noch weit davon entfernt bin, ein richtiges Gespräch auf Deutsch führen zu können. Wir haben also beide noch einiges vor uns. Für uns geht es beim Sprachenlernen aber nicht nur darum, Wörter richtig auszusprechen. Es geht darum, die Menschen um uns herum besser zu verstehen, selbständiger zu werden und sich in der Familie und im Alltag noch stärker verbunden zu fühlen.
Essen verbindet uns und sorgt immer wieder für Überraschungen
Essen ist bei uns zu Hause ein grosses Thema. Wir lieben es beide zu kochen, neue Gerichte auszuprobieren und mit unterschiedlichen Zutaten zu experimentieren. Sarah lebt vegan, was in Sri Lanka mit den vielen Gerichten aus Gemüse, Linsen, Reis und Kokosmilch oft sehr gut funktioniert. Ihr absolutes Lieblingsessen ist Rice & Curry, wobei sie besonders liebt, dass jeder Curry anders schmeckt. Am Anfang musste sie sich allerdings erst an die Schärfe gewöhnen. Oft haben wir darum gebeten, weniger Chilli zu verwenden. Mittlerweile verträgt sie deutlich mehr schärfe.
Auch das Essen mit den Händen war für Sarah anfangs ungewohnt. Für mich gehört das bei vielen sri-lankischen Gerichten ganz selbstverständlich dazu, während sie sich zuerst daran gewöhnen musste. Inzwischen isst sie ihr Rice & Curry problemlos mit den Händen. Gleichzeitig kocht sie zu Hause auch immer wieder Gerichte, die sie aus der Schweiz kennt. Ich liebe es, ihre Schweizer Küche kennenzulernen, auch wenn sie ihre Rezepte meistens ziemlich spontan verändert. Bei Sarah kann es passieren, dass sie ein Gericht einmal kocht und es beim nächsten Mal schon wieder völlig anders schmeckt. Sie probiert einfach aus, kombiniert neue Zutaten und kreiert dabei oft ihre ganz eigenen Menüs. Manchmal hat das fertige Essen nicht einmal einen Namen, aber meistens schmeckt es richtig gut.
Wir kochen auch gerne gemeinsam und verbinden dabei unsere beiden Küchen. Wenn wir beispielsweise Pol Rotti machen, kümmere ich mich um die Kokosnuss, während Sarah den Teig und die Beilagen vorbereitet. Natürlich gibt es auch Dinge, die sie aus der Schweiz vermisst. Balsamico-Essig zum Beispiel oder eine Geschirrspülmaschine. Das klingt vielleicht nach Kleinigkeiten, aber wenn man in einem anderen Land lebt, merkt man schnell, dass es manchmal genau solche alltäglichen Dinge sind, die einem fehlen. Gleichzeitig entdecken wir immer wieder neue Lieblingsgerichte, und ich glaube, dass das Essen auch in Zukunft eines unserer liebsten gemeinsamen Hobbys bleiben wird.
Unser Alltag ist nicht immer wie Ferien
Wenn man unsere Videos auf Social Media sieht, könnte man manchmal denken, dass wir ständig unterwegs sind, am Strand sitzen oder neue Restaurants ausprobieren. Und ja, wir lieben es, Sri Lanka zu entdecken. Trotzdem besteht unser Alltag hauptsächlich aus Arbeit, Einkaufen, Kochen, Putzen und all den anderen Dingen, die jeder erledigen muss. Meistens beginnt unser Morgen damit, dass wir unsere Katzen versorgen und besprechen, was an diesem Tag ansteht. Danach geht es ins Büro, wo wir an Kundenprojekten arbeiten, Websites gestalten, Content produzieren oder unsere nächsten Ideen planen.
Zum Mittagessen gibt es häufig Rice & Curry von einem kleinen lokalen Anbieter, bei dem wir mittlerweile regelmässig essen. Am Abend kochen wir oft gemeinsam oder verbringen Zeit mit unseren Katzen. Und wenn wir zwischendurch eine Pause brauchen, fahren wir mit dem Motorrad zum Markt, holen uns einen Kaffee oder gehen an den Strand, um den Sonnenuntergang zu geniessen. Wir müssen nicht jeden Tag etwas Aussergewöhnliches erleben, um glücklich zu sein. Gerade die kleinen Dinge machen unseren Alltag für uns besonders.
Natürlich gibt es auch Tage, an denen nicht alles nach Plan läuft. Stromausfälle unterbrechen die Arbeit, ein plötzlicher Regenschauer erwischt uns auf dem Motorrad oder eine unerwartete Aufgabe bringt unsere ganze Tagesplanung durcheinander. Sarah musste sich an einige dieser Dinge erst gewöhnen, und auch für mich sind sie nicht immer angenehm. Aber wir versuchen, gemeinsam Lösungen zu finden und solche Situationen mit etwas Humor zu nehmen. Manchmal funktioniert das besser, manchmal schlechter. Das gehört für uns genauso zum Leben wie die schönen Momente.

Wie andere Menschen unsere Beziehung wahrnehmen
Als Schweizerin und Sri-Lanker fallen wir manchmal auf, allerdings nicht immer aus den Gründen, die man vielleicht erwarten würde. Wenn wir gemeinsam unterwegs sind, halten manche Menschen Sarah für eine Inderin. Das liegt vielleicht auch daran, dass sie gerne traditionelle südasiatische Kleidung trägt. Mir wiederum wurde schon gesagt, dass ich ein wenig wie ein indischer Schauspieler aussehe. Manchmal werden wir auch einfach für Touristen gehalten, obwohl wir hier leben. Solche Situationen finden wir meistens ziemlich lustig.
Natürlich werden wir auch oft gefragt, wie wir uns kennengelernt haben oder weshalb Sarah nach Sri Lanka gezogen ist. Die meisten Menschen begegnen uns freundlich und sind einfach neugierig auf unsere Geschichte. Manchmal bekommen wir etwas mehr Aufmerksamkeit als andere Paare, aber wir haben bisher überwiegend positive Erfahrungen gemacht. Trotzdem möchten wir nicht nur als die Schweizerin und der Sri-Lanker wahrgenommen werden. Unsere Herkunft ist ein Teil unserer Geschichte, aber im Alltag sind wir vor allem Sarah und Salman, zwei Menschen, die ihr Leben miteinander teilen.
Die schwierigen Tage gehören genauso dazu
So sehr wir unser gemeinsames Leben lieben, natürlich gibt es auch schwierige Tage. Für Sarah ist es manchmal anstrengend, sich in einer anderen Sprache und Kultur zurechtzufinden. Wenn vieles gleichzeitig nicht funktioniert oder sie sich überfordert fühlt, sagt sie manchmal, dass sie am liebsten einfach zurück in die Schweiz fliegen würde. Das bedeutet aber nicht, dass sie unser Leben hier bereut oder tatsächlich wieder auswandern möchte. Oft vermisst sie in solchen Momenten einfach das Vertraute, einen Ort, an dem sie alles versteht und genau weiss, wie die Dinge funktionieren. Ich habe gelernt, solche Aussagen nicht sofort als Zweifel an unserer gemeinsamen Entscheidung zu verstehen, sondern erst einmal zuzuhören.
Etwas, das Sarah bis heute besonders schwerfällt, ist das Leid der Strassentiere. Wenn sie einen verletzten oder kranken Hund oder eine Katze sieht, nimmt sie das emotional sehr mit. Wir versuchen zu helfen, wenn es uns möglich ist, geben Tieren Futter oder bringen sie zum Tierarzt. Gleichzeitig wissen wir, dass wir nicht jedes Tier retten können, auch wenn wir das gerne würden. Auch die Hitze, die vielen Moskitos oder unerwartete Stromausfälle können manchmal anstrengend sein. Sarah liebt das warme Klima, aber selbst für sie gibt es Tage, an denen es einfach zu heiss wird. Und aus irgendeinem Grund scheinen die Moskitos sie besonders gerne zu haben.
Natürlich haben wir auch als Paar Meinungsverschiedenheiten. Wir sind nicht immer derselben Meinung und verstehen uns manchmal falsch. Gerade weil wir unterschiedliche Erfahrungen und Gewohnheiten mitbringen, müssen wir manchmal erst herausfinden, weshalb der andere etwas anders empfindet. Was uns dabei hilft, ist miteinander zu reden und nicht davon auszugehen, dass der andere automatisch alles genauso sieht. Manchmal braucht es eine Lösung, manchmal einfach ein wenig Geduld und manchmal nur jemanden, der zuhört. Wir lernen immer noch, wie wir uns gegenseitig am besten unterstützen können.
Gemeinsam reisen und Sri Lanka aus zwei Perspektiven entdecken
Eine Sache, die wir besonders gerne gemeinsam machen, ist das Reisen. Obwohl ich in Sri Lanka aufgewachsen bin, gibt es auch für mich noch viele Orte, die ich nicht kenne. Und selbst an Orten, die mir vertraut sind, entdeckt Sarah manchmal Dinge, auf die ich früher gar nicht geachtet habe. Für sie ist vieles neu, während ich bestimmte Situationen oder Gewohnheiten bereits kenne. Genau das macht unsere Ausflüge für uns so interessant. Wir erleben dieselben Orte manchmal auf völlig unterschiedliche Weise und zeigen einander Dinge, die wir alleine vielleicht übersehen hätten.
Natürlich verläuft nicht jede Reise so, wie wir sie geplant haben. Einmal waren wir mit dem Motorrad in einer abgelegenen Gegend unterwegs, als plötzlich eine Leitung beim Benzintank kaputtging und Benzin auslief. Es war Sonntag, wir befanden uns in einer Gegend mit viel Dschungel, und die meisten Geschäfte waren geschlossen. Schliesslich fanden wir jemanden, der normalerweise mit Motorradreifen arbeitete. Obwohl er unser Problem nicht genau kannte, versuchte er uns zu helfen. Gemeinsam fanden wir eine Möglichkeit, die unmittelbare Situation zu bewältigen und unsere Reise fortzusetzen. Damals war das ziemlich stressig, heute gehört es zu den Geschichten, an die wir uns immer wieder erinnern. Vor allem die Hilfsbereitschaft dieses Mannes ist uns geblieben.
Durch unsere Reisen entdecken wir aber nicht nur neue Orte. Wir lernen Menschen kennen, probieren neue Gerichte und sammeln Erfahrungen, die uns auch für unser Unternehmen inspirieren. Wir möchten Sri Lanka aus beiden Perspektiven zeigen: aus meiner Sicht als jemand, der hier aufgewachsen ist, und aus Sarahs Sicht als jemand, der das Land mit neuen Augen entdeckt. Ich finde, genau diese Kombination macht unsere gemeinsamen Erlebnisse besonders.
Gemeinsam leben und gemeinsam arbeiten
Neben unserem Privatleben verbindet uns auch die Arbeit. Wir kommen beide aus dem Marketingbereich, bringen aber unterschiedliche Erfahrungen und Stärken mit. Sarah konzentriert sich besonders auf Websites, SEO und die technische Umsetzung von Projekten. Ich arbeite unter anderem mit Grafikdesign, Video, Werbung und kreativer Content-Produktion. Anstatt weiterhin vollständig getrennt zu arbeiten, haben wir beschlossen, unsere Fähigkeiten miteinander zu verbinden. Daraus ist Soul & Spicy entstanden.
Eine Frage, die wir immer wieder gestellt bekommen, ist, wie wir es schaffen, so viel Zeit miteinander zu verbringen. Schliesslich leben wir nicht nur zusammen, sondern arbeiten auch miteinander und sind oft gemeinsam unterwegs. Für uns funktioniert das gut, weil wir viele gemeinsame Interessen haben und beide die Selbständigkeit lieben. Natürlich bedeutet das nicht, dass wir immer derselben Meinung sind. Gerade bei kreativen Projekten haben wir manchmal unterschiedliche Vorstellungen davon, wie etwas aussehen oder umgesetzt werden soll. Aber wir haben gelernt, dass unterschiedliche Ideen auch eine Stärke sein können, wenn man bereit ist, einander zuzuhören.
Unsere verschiedenen Hintergründe helfen uns auch beruflich. Wir kennen unterschiedliche Erwartungen und Sichtweisen und können unsere Erfahrungen aus der Schweiz und Sri Lanka miteinander verbinden. Besonders bei Projekten im Tourismus ist das für uns wertvoll, weil wir Reisenden Sri Lanka näherbringen und gleichzeitig lokale Unternehmen unterstützen möchten. Wir haben noch viele Ideen und Pläne für Soul & Spicy, aber wir geniessen es auch, dass wir gemeinsam etwas aufbauen können, das uns beiden Freude macht.
Was ich durch unsere multikulturelle Beziehung gelernt habe
Wenn ich auf unsere gemeinsame Zeit zurückblicke, merke ich, wie viel ich durch Sarah gelernt habe. Nicht nur über die Schweiz, sondern auch über mein eigenes Land und meine Gewohnheiten. Dinge, die für mich früher völlig selbstverständlich waren, sehe ich heute manchmal aus einer anderen Perspektive. Wenn Sarah beispielsweise etwas entdeckt, das sie wunderschön oder besonders findet, merke ich manchmal erst, dass ich selbst nie richtig darauf geachtet habe. Umgekehrt gibt es viele Dinge in Sri Lanka, die ich ihr erklären oder zeigen kann. Und manchmal merke ich dabei, dass ich selbst gar nicht genau weiss, weshalb wir etwas auf eine bestimmte Art machen.
Ich glaube, einer der wichtigsten Punkte in einer multikulturellen Beziehung ist, dass man nicht versuchen sollte, den anderen komplett zu verändern. Sarah muss nicht aufhören, Schweizerin zu sein, nur weil sie in Sri Lanka lebt. Und ich muss meine eigenen Gewohnheiten und meine Herkunft nicht aufgeben, nur weil ich mit einer Schweizerin verheiratet bin. Wir können voneinander lernen, neue Dinge übernehmen und trotzdem wir selbst bleiben. Manchmal finden wir einen Kompromiss, manchmal übernimmt einer von uns eine neue Gewohnheit und manchmal akzeptieren wir einfach, dass wir etwas unterschiedlich sehen.
Natürlich funktioniert das nicht jeden Tag perfekt. Wir diskutieren, verstehen uns manchmal falsch und brauchen auch einmal etwas Zeit, um die Sichtweise des anderen nachzuvollziehen. Aber wir versuchen, offen miteinander zu sprechen und uns gegenseitig zu respektieren. Für mich bedeutet eine gute Beziehung nicht, dass zwei Menschen immer gleich denken oder nie Probleme haben. Viel wichtiger ist, dass beide bereit sind, gemeinsam an diesen Herausforderungen zu wachsen.
Unser gemeinsamer Weg geht weiter
Heute ist Sri Lanka unser Zuhause. Hier leben wir, arbeiten wir, verbringen Zeit mit unserer Familie und planen unsere Zukunft. Wir haben noch viele Ideen für Soul & Spicy, möchten neue Orte entdecken, interessante Menschen kennenlernen und weiterhin unsere Erfahrungen teilen. Dabei wissen wir natürlich, dass nicht immer alles nach Plan verlaufen wird. Aber genau das gehört zu unserem Leben dazu.
Wenn ich eines durch unsere Beziehung gelernt habe, dann, dass Liebe allein nicht automatisch alle kulturellen Unterschiede verschwinden lässt. Es braucht Geduld, Respekt, Kommunikation und vor allem die Bereitschaft, die Welt auch einmal aus der Perspektive des anderen zu betrachten. Wir sind keine perfekten Menschen und führen auch keine perfekte Beziehung. Aber wir haben uns bewusst füreinander entschieden und versuchen jeden Tag, unser gemeinsames Leben so zu gestalten, dass wir beide glücklich damit sind.
Und vielleicht ist genau das für mich das Schönste an unserer multikulturellen Beziehung. Wir kommen aus zwei unterschiedlichen Ländern, haben verschiedene Erfahrungen gemacht und bringen unsere eigenen Gewohnheiten mit. Trotzdem bauen wir uns gemeinsam ein Leben auf, das nicht einfach schweizerisch oder sri-lankisch ist, sondern ganz einfach unseres.



